Johannisloge
FRIEDRICH  WILHELM  ZUR  MORGENRÖTE


Preußen und die Freimaurer

Willkommen

Unsere Loge

Internes

So finden Sie uns

Unser Namensgeber

Freimaurerei

Kontakt

Veranstaltungen

Häufige Fragen

Links

Impressum

[Willkommen] [Unsere Loge] [Internes] [Unser Namensgeber] [Freimaurerei] [Veranstaltungen] [Häufige Fragen] [Links]
 
 











 

 





 

 

 

 

 

 

 

 


Schloss Rheinsberg
 


Friedrich II.


Friedrich II.

 


Kaiser Wilhelm I.


Kaiser Friedrich III.


Prinz Leopold von Preußen

 

 

 

 

 

 


 


Unser Ordenshaus

Preußen und die Freimaurer

 von Br. Eberhard Schmidt-Marmagen † 

(Johannisloge Victor zum goldenen Hammer in Berlin)
Vortrag bei einem Empfang der "Casino-Gesellschaft", leicht gekürzt.

Der Beginn der Freimaurerei in Preußen - oder richtiger, zunächst einmal in Deutschland - ist nicht so einfach mit einer Jahreszahl zu bestimmen.

Die erste Freimaurerloge auf deutschem Boden wurde am 6. Dezember 1737 in Hamburg gegründet. Lassen wir dieses Datum erst einmal so im Raum stehen. Es ist eigentlich so lange bedeutungslos, wie wir nicht geklärt haben, was Freimaurerei eigentlich ist. Ich werde versuchen, mich kurz zu halten.

Die Freimaurerei geht im Wesentlichen, insbesondere, was Ritus und Brauchtum betrifft, vor allem auf die Werkmaurerei zurück - genauer gesagt, auf die Bruderschaften der Baumeister und Steinmetzen des Mittelalters, die aus den Mönchsorden - namentlich der Benediktiner und Zisterzienser hervorgegangen sind und in sog. „Bauhütten" sich der sakralen Baukunst der Romanik und Gotik widmeten. Bauhütten deshalb, weil an den jeweiligen Dom während des Baues kleine Hütten angebaut wurden, in denen die Baupläne und die Werkzeugkisten der Bauleute verwahrt wurden - und in der sich die Bruderschaft versammelte, sowohl um die Arbeitsanweisungen des Baumeisters entgegen zu nehmen, als auch zur Durchführung ihrer Riten und Gebräuche, zum Beispiel bei der Annahme eines wandernden Gesellen, der um Arbeit nachsuchte.

Bauhütte war also einerseits die Institution der Baubruderschaften und andererseits dieser kleine abgetrennte Raum. Einen kleinen abgetrennten Raum bezeichnet man im Französischen mit „loge", im Englischen mit „lodge". Die später entstandene Freimaurerei hat dieses Wort sowohl für ihre Institution wie für ihre Versammlungsräume übernommen.

Die Baubruderschaften hatten aber nicht nur eine bauspezifische Funktion, sondern auch eine soziale. Nach heutigen Begriffen waren sie die Vorläufer einer „Bauberufs-, Kranken-, Witwen- und Waisen-Kasse". In den „Hüttenordnungen" wurde aber auch die Einhaltung der Regeln christlicher Lebensführung festgeschrieben. Das behielt selbst dann seine Gültigkeit, als sich die Dombauhütten Mitte des 16. Jahrhunderts allmählich verweltlichten. Der Baumeister JOST DOTZINGER aus Worms, Meister der Dombauhütte zu Straßburg, war der erste weltlich gewählte Großmeister der deutschen Dombauhütten. Er war auch der Verfasser der ersten erhaltenen Bauhüttenordnung, in der die Rechte und Pflichten der Baubruderschaften, die zu befolgenden Bräuche und Regeln festgelegt sind, die von Zeit zu Zeit ergänzt und novelliert wurden.

Bemerkenswert an der „Straßburger Bauhüttenordnung" ist die Tatsache, dass - im Gegensatz zu den vorherigen Ordnungen, die noch ganz auf der Basis des katholisch-christlichen Geistes standen - nun nach der erfolgten Reformation alles spezifisch Katholische fortgelassen wurde und in den Bauhütten bereits 1563 eine Gleichberechtigung der beiden christlichen Religionsbekenntnisse bestand. Diese Tatsache ist für die Entwicklung der Werkmaurerei zur spekulativen, also zu Freimaurerei ebenso von fundamentaler Bedeutung, wie für die Entwicklung der Freimaurerei in Deutschland und vor allem in Preußen.

Das England des 18. und 19. Jahrhunderts und das Zusammenwirken seiner politischen, gesellschaftlichen, sozialen und ökonomischen Kräfte begünstigte diese Entwicklung ganz außerordentlich. Die lange andauernden Bürgerkriege um die Thronfolge, die zugleich Religionskriege waren, hatten zu Unterdrückung und Verarmung des Volkes geführt. Wie im übrigen Europa, drängte die geistige Bewegung der Aufklärung zur Befreiung des Volkes von der immer unerträglicher werdenden Unterdrückung, oder wie Kant es genannt hat zur Befreiung aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit.

Der Geist der Dombauhütten, der Brüderlichkeit, Toleranz und Gewissensfreiheit postulierte, übte in dieser Situation eine geradezu magnetische Anziehung auf alle Menschen in England aus, die der ständigen Kriege und der politischen und geistigen Unterdrückung müde waren. Die geistige Elite des englischen Volkes Philosophen, Künstler und Prediger fühlte sich einerseits zu diesen Bruderschaften hingezogen und wurde zum anderen nur zu gern aufgenommen, weil die Blütezeit der großen sakralen und weltlichen Bautätigkeit vorüber war und die abwandernden Baumeister und Steinmetzen in den Bauhütten ein Vakuum hinterließen, das die nachdrängenden „Nicht-Zünftigen" ausfüllten, die die Riten und das Brauchtum der Bauhütten übernahmen, um „symbolisch" weiter zu bauen. Diese symbolische oder, wie man es auch nannte, spekulative Maurerei wurde zur Freimaurerei.

Den Beginn der Freimaurerei datieren viele Historiker auf das Jahr 1717. Tatsächlich wurde am 24. Juni 1717 in London die erste Großloge gegründet; aber natürlich bestanden die an dieser Großloge beteiligten vier Logen schon viel länger - wie lange, ist mangels entsprechender Aufzeichnungen nicht bekannt.

Genau so schwierig ist es, den Beginn der Freimaurerei in Deutschland zu datieren. Zwar ist historisch bewiesen, dass - wie schon erwähnt - die erste Freimaurerloge in Deutschland am 6. Dezember 1737 in Hamburg gegründet wurde. Davor gab es aber schon zahlreiche deutsche Männer, die in England Mitglied einer Freimaurerloge geworden waren, wie sich aus dortigen Mitgliederverzeichnissen nachweisen lässt.

Bereits ein Jahr nach der Gründung der Hamburger Loge reiste eine Delegation dieser Loge nach Braunschweig, um dort am 14. und 15. August 1738 auf dessen Wunsch den damaligen Kronprinzen von Preußen, den späteren KÖNIG FRIEDRICH II. zum Freimaurer aufzunehmen - natürlich unter strengster Geheimhaltung  und  vor  allem  ohne  Wissen  seines  Vaters,   der  aus  seiner Ablehnung gegenüber den Freimaurern und ihrer freiheitlichen Gesinnung nie ein Hehl gemacht hatte.

Unter strengster Geheimhaltung ließ der Kronprinz durch den Hamburger Logenmeister
v. Oberg in Schloss Rheinsberg Logen abhalten. 1739 übernahm er dann selbst den Hammer der Loge. Damit hatte die Freimaurerei gleich von Anfang an eine begünstigte Stellung. Als FRIEDRICH 1740 den Thron bestieg, begrüßte ihn die Vossische Zeitung vom 5. Juli 1740 mit einem schwungvollen Artikel, in dem es heißt:

„So werden auch die so genannten Frey-Mäurer, da man ihnen, wo nicht mehr, dennoch eine bündige Gelehrtheit und philosophische Konetete zugestehen muss, bei uns eine Freistatt finden."

Das königliche Vorbild führte dann auch in der Tat in kürzester Zeit zu zahlreichen Logengründungen in Preußen. In der Folge bildeten sich in Preußen drei Großlogen: Die „Große Königliche Mutterloge zu den drei Weltkugeln" (1744), die „Große Loge Royal York de l´ Amitié" (1765) und die „Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland" (1770) mit jeweils zahlreichen Tochterlogen. Diese drei Großlogen werden in der freimaurerischen Geschichte seither als „Die drei altpreußischen Großlogen" bezeichnet. Am 16. Juli 1774 übernahm der König das Protektorat über die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland durch ein landesherrliches Dekret.

Die beiden Nachfolger auf dem Thron, FRIEDRICH WILHELM II. und FRIEDRICH WILHELM III., traten dem Orden zwar nicht bei, standen aber der Freimaurerei sehr wohlwollend gegenüber. So erließ FRIEDRICH WILHELM III. von Preußen 1798 ein Edikt, das die Teilnahme an geheimen Gesellschaften unter Strafandrohung verbot; dabei räumte er aber (im § 3) den drei altpreußischen Großlogen eine Sonderstellung ein, wobei nur diese allein ausdrücklich von dem Verbot ausgenommen wurden.

FRIEDRICH WILHELM III. gestattete die Aufnahme seines Sohnes, des Prinzen WILHELM III. von Preußen, nachmaliger Kaiser WILHELM I. unter der Voraussetzung, dass dieser allen drei Großlogen des preußischen Staates angehören und das Protektorat über sie ausüben sollte. So wurde der Prinz am 22. Mai 1840 im Hause der Großen Landesloge von dem Großmeister, dem Grafen Henckel von Donnersmarck, im Beisein der beiden anderen Großmeister zum Freimaurer aufgenommen. Die Verbindung mit dem Herrscherhaus blieb seither in Form des Protektorats eine ständige Einrichtung der preußischen Freimaurerei.

Am 5. November 1853 erfolgte der Eintritt des Kronprinzen FRIEDRICH, später KAISER FRIEDRICH III., der von 1860 bis 1874 Ordensmeister der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland war.

Aus unerfindlichen Gründen ist in der Öffentlichkeit der Eindruck entstanden, mit dem Tod KAISER FRIEDRICH III. ende das enge Verhältnis zwischen dem Hause Hohenzollern und den Freimaurern. Das ist keineswegs richtig. Am 31. Dezember 1899 verlieh KAISER WILHELM II. durch allerhöchste Kabinettsorder den nach 1798 in Preußen gegründeten Logen der drei Großen Landeslogen in Preußen die Rechte juristischer Personen. Die Abschrift dieser Kabinettsorder überreichte der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland am 22. Januar 1900 der damalige Protektor der drei altpreußischen Großlogen Prinz FRIEDRICH LEOPOLD, der zugleich von 1895 bis 1918 Ordensmeister der Großen Landesloge war.

Das preußische Königreich und das deutsche Kaiserreich sind mittlerweile Geschichte. Aber der Geist der Freimaurerei und ihre Werte sind unverändert geblieben, so dass auch heute noch der Suchende bei seiner Aufnahme in den Orden erfährt:

"Reine Ehrfurcht vor dem Allmächtigen, Gehorsam gegen Obrigkeit und Gesetze, Liebe gegen unseren Mitmenschen, Treue und Fleiß in unserem Beruf, Mäßigkeit und Wohltätigkeit, Geduld und Standhaftigkeit im Leiden, Demut im Glück - das sind die Tugenden, die von einem Freimaurer unzertrennlich sind, das sind die Pflichten, die der Orden ihm auferlegt. "

Die enge Beziehung zwischen Preußen und der Freimaurerei wäre nicht entstanden, wäre da nicht die Übereinstimmung des Menschenbildes, das in Preußen wie in der Freimaurerei Gültigkeit hatte. Redlichkeit und Treue, Anständigkeit und Ehrenhaftigkeit, Wahrhaftigkeit und Bescheidenheit, Frömmigkeit und Toleranz - das sind die Charakter-Eigenschaften, die man dereinst als preußische Tugenden zu Recht lobte und schätzte und die auch einen echten Freimaurer auszeichnen sollen.

Preußen - und mit ihm das Menschenbild, das sich durch Redlichkeit und Treue, Anständigkeit und Ehrenhaftigkeit, Wahrhaftigkeit und Bescheidenheit, Frömmigkeit und Toleranz auszeichnet - ist Vergangenheit, ist Geschichte. Geblieben ist in der öffentlichen Meinung weitgehend ein Zerrbild von Preußen, die Identifikation von Preußentum und Militarismus.

 Von der Freimaurerei, zur Zeit Preußens Sammelpunkt der geistigen Elite unseres Volkes in und außerhalb Preußens, ist eine vergleichsweise kleine Schar von Freimaurern mit unveränderter Vorstellung von einem sittlichen Menschenbild geblieben. Die Öffentliche Meinung begegnet ihnen heute vorwiegend mit Unverständnis, gepaart mit Vorurteilen, die sich im Wesentlichen einzig auf die Veröffentlichungen der antifreimaurerischen Hetzschriften von Generalfeldmarschall von Ludendorff und seiner Frau Mathilde stützen - wie auf die Verunglimpfungen der Freimaurer durch die Propaganda im Dritten Reich.

Solange unserer heutigen Gesellschaft nicht der „Sittliche Mensch" Vorbild ist, sondern der „Erfolgreiche Mensch", dem alle Mittel zum persönlichen Erfolg recht sind, solange wird in der „Öffentlichen Meinung" Preußen nicht der Ausgangspunkt des Prinzips der alten Rechtsstaatlichkeit mit der Anerkennung des Rechtes des Einzelnen sein, sondern auf den Aspekt des klassischen Militarismus reduziert bleiben.

Solange die Freimaurerei von der Gesellschaft nicht als ein Weg zum „Sittlichen Menschen" verstanden wird, oder mit anderen Worten, solange die Freimaurerei von der Gesellschaft nicht als ein Weg zur Erziehung und Selbsterziehung zu dem Menschen verstanden wird, den Gott sich zum Bilde schuf, solange wird sie unverstanden bleiben.

Die Frage aber, ob wir Gott vertrauen oder dem GOLDENEN KALB, das wir ERFOLG nennen, ist nur insoweit eine gesellschaftliche Frage, als die Gesellschaft von uns nicht nur als die bloße Summe ihrer Mitglieder begriffen wird. Die Antwort auf diese Frage kann eine Gesellschaft nur geben, indem jedes ihrer Mitglieder sie für sich selbst gibt und gemäß seiner Überzeugung und seines Gewissens danach handelt.

   
 
[Willkommen] [Unsere Loge] [Internes] [Unser Namensgeber] [Freimaurerei] [Veranstaltungen] [Häufige Fragen] [Links]